MITARBEITERSTAB
Nachdem ich das Vorstellungsgespräch erfolgreich hinter mich gebracht hatte, wurde sofort ein Termin vereinbart bei dem ich auch die weiteren neuen Kollegen, ja nur Kollegen! kennen lernen sollte.
Der Vertriebsleiter, der eingehend meine Bewerbungsunterlagen vor unserem Gesprächstermin studiert hatte, wollte das Wagnis, wie er sagte, mit mir als erster Frau als Außenstellenleiterin, eingehen.
Schnell wurde in der darauf folgenden Woche ein Termin gefunden.
Zwanglos sollte dieses Treffen, der neuen Außenstellenleiter und der ersten Außenstellenleiterin im Block-House beim gemeinsamen Mittagessen, stattfinden.
An Pünktlichkeit mangelte es an diesem Tag keinem, so dass wir uns alle gleichzeitig, an den bereits reservierten Tisch, begeben konnten.
Da ich ja nun in der raubeinigen Welt, der Außendienstmitarbeiter künftig Zuhause sein würde, wunderte mich noch das Verhalten des Vertriebsleiters, der mir freundlich den Stuhl zurecht rückte.
Ich bestellte einen Salat, was ein Fehler war, denn die Salatblätter waren so lang, dass sie mit Messer und Gabel gebändigt werden mussten, was einige Konzentration abverlangte, die ich gerne intensiver in das stattfindende Gespräch stecken wollte, so überhörte ich den Part als es um die Qualifikationen meiner neuen Mitstreiter ging fast gänzlich.
Schnappte aber gerade noch den letzten Brocken, des Gespräches, nicht des Salates, auf um zu wissen, dass mein ebenbürtiger Außenstellenleiterkollege nur den Grundkurs im Versicherungswesen als “Versicherungsfachmann” durchlaufen hat.
-Für die Nichtkenner der Branche, es handelte sich um einen Kurs, man bedenke durch alle Versicherungssparten des privaten Bedarfs, der innerhalb eines halben Jahres von jedem Hanswurst abgelegt werden kann.-
Komisch dachte ich noch, in Erinnerung an das Vorstellungsgespräch, die hatten doch als Grundvoraussetzung für diese Position nur “Versicherungsfachwirte” einstellen wollen.
-Hierbei handelt es sich um ein Fachstudium, dass damals erst nach erfolgreichem Abschluss der Kaufmannsgehilfenprüfung und anschließender mindestens fünfjähriger Berufspraxis innerhalb von zwei Jahren absolviert werden konnte.
Nun ja, das gemeinsame Mittagessen fand sein Ende, die Gespräche zum Glück auch und ich hatte auch mit Sicherheit keine Salatblätterreste mehr zwischen den Zähnen, das hatte ich diskret schon auf der Toilette vorm Spiegel gecheckt.
Also der nette Herr Vertriebsleiter orderte die Rechnung, bezahlte mit einem mickrigen Trinkgeld, mit dem Hinweis, das er das Trinkgeld ja nicht über seine Spesen abrechnen konnte und so standen wir dann alle auf um uns zum Ausgang des Restaurants zu begeben.
Da ich bei meinem Toilettengang zuvor schon an der Garderobe vorbei gekommen war, hatte ich meinen Mantel schnell selbst übergezogen um nähere Kontakte bei der Hilfe in den Mantel mit meinem vermeintlich neuen Kollegen zu vermeiden, der mir irgendwie nicht besonders sympathisch war.
Ich bedankte mich noch beim Herrn Vertriebsleiter für das Mittagessen und als wir uns dann draußen noch verabschieden wollten, um dann jeder einzeln in seinem neuen Dienstwagen wegzufahren, fehlte mein neuer Kollege.
Der Herr Vertriebsleiter sah mich fragend an, in dem Moment kam der neue Kollege hinter einem Baum hervor und sprach die Worte: ” Ich musste nur noch mal eben das Bierchen in die Ecke stellen!”
Reichte dem Herrn Vertriebsleiter freundlich die Hand, da dieser ja in der Hirarschi über ihm stand und verabschiedet sich bei ihm zuerst.
Als er sich dann zu mir zum Verabschieden wand, kramte ich, der weiblichen Intuition folgend, in meiner Handtasche nach meinem Autoschlüssel und verabschiedete mich mit dem Autoschlüssel in der Hand, winkender Weise von meinem neuen Kollegen.
Als ich endlich in meinem Dienstwagen saß, fragte ich mich, wie kann so jemand einen ganzen Mitarbeiterstab führen sollen, wenn er nicht mal seinem eigenen Stab, den Weg zur Toilette zeigen kann?
Tags: Männer, Mitarbeiterstab, Toilette
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